Dieser Tag markiert das heilige Fest der Verkündigung des Herrn, neun Monate vor Weihnachten. Es war der einzige Tag während der Fastenzeit, an dem das Tempus Clausum in Leipzig nicht beobachtet wurde, so dass Musik in der Kirche erlaubt war. Ich bin überzeugt, dass das für Bach eine Erleichterung gewesen sein muss.
Zwei wunderbare Kantaten für diesen Tag. Himmelskönig, sei willkommen, BWV 182, war die erste Kantate, die Bach nach seiner Beförderung vom Organisten zum Hofkomponisten am Weimarer Hof schuf. In jenem Jahr 1714 fielen Verkündigung und Palmsonntag auf denselben Tag, weshalb das Libretto auf den Einzug Jesu in Jerusalem anspielt. Diese Kantate wurde erneut am ersten Verkündigungsfest aufgeführt, das Bach in Leipzig feierte, am 25. März 1724.
Wie schön leuchtet der Morgenstern, BWV 1, hat diese spezielle BWV-Nummer nur durch reinen Zufall, da dies die erste von etwa zehn Kantaten war, die die Bach Gesellschaft 1851 zur Veröffentlichung ausgewählte. Sie gehört zum Choralkantatenzyklus, mit einem Kirchenlied von Philipp Nicolai (1556–1608), und da wiederum Palmsonntag mit Verkündigung zusammenfiel, deutet das Libretto auf beide Anlässe hin. Aber sie ist auch die letzte Kantate, die Bach im Choralkantatenzyklus komponierte, möglicherweise weil sein Librettist starb.