Oculi ist der 3. Sonntag der Fastenzeit. In Leipzig herrscht immer noch Tempus Clausum (keine Musik in der Messe), aber glücklicherweise sind 2 Kantaten aus der Weimarer Zeit erhalten, wo Tempus Clausum nicht beachtet wurde.
Es gibt zwar eine Diskussion darüber, ob die erste Kantate (Widerstehe doch der Sünde, BWV 54) wirklich für Oculi geschrieben wurde. Andere ordnen sie Trinitatis VII zu (Uraufführung am 15. Juli 1714), aber John Eliot Gardiner und andere haben Gründe, sie auf Oculi desselben Jahres zu datieren, daher ist es Gardiners English Baroque Soloists & Monteverdi Choir, die diese Kantate für Sie aufführen. Dies macht diese Kantate auch zur ersten Kantate nach Bachs Berufung in Weimar. Sie ist auch seine früheste Kantate für eine Solostimme (in diesem Fall Alt).
Die Musik zur zweiten Kantate, Alles, was von Gott geboren, BWV 80a, ist verloren. Aber Bach bearbeitete die ursprüngliche Partitur und erweiterte sie, um seine bekannte Kantate Ein feste Burg ist unser Gott, BWV 80, zu schaffen, die in Leipzig zum Reformationstag (31. Oktober) aufgeführt wurde. Da Leipzig Tempus Clausum hatte, konnte Bach die Kantate nicht für denselben Zweck wiederverwenden, daher nutzte er sie für den Reformationstag. Man sollte eben eine gute Kantate nicht verschwenden, oder?